So stand ich also einfach nur vor dem Kühlregal, mit nichts anderem als der Entscheidung, welche Crème Fraîche ich nehmen soll, beschäftigt. Bis zu der Sekunde, in der ich im äußersten Augenwinkel eine Person wahrnehme, der ich keinesfalls zeigen will, sie gesehen und erkannt zu haben. In dem Moment wurde mir so heiß, ich hätte mir Jacke und Pulli sofort vom Leib reißen und mich in's Kühlregal werfen können. Meine erste Freundin in Begleitung ihrer Mutter stehen einen Meter entfernt von mir. Die Person, an die ich von Zeit zu Zeit immer mal wieder denke, weil ich mir ein Fehlverhalten bis heute selbst nicht verziehen habe. Mal abgesehen von dem Konflikt, dass sie davon nichts weiß. Ja, es liegt bald sechs Jahre zurück, aber das macht die Sache nicht weniger falsch.
Ich finde sie immer noch faszinierend. An ihrer Schönheit hat sich nichts geändert, und auch ihre Körperhaltung finde ich immer noch ... aufregend. Da schwingt eine gewisse Traurigkeit/ Hilflosigkeit mit, aber es hat nicht bis zu dem Moment, als sie mit ihrer Mutter lachte, gedauert, dass mir wieder einfiel, wie ihre Haltung sofort in Heiterkeit umschwenken kann.
Später sehe ich in ihrem Blick, dass sie auch mich wiedererkannt hat. Das hielt ich nicht für selbstverständlich, wir haben uns etwa zwei Jahre nicht gesehen, die Beziehung ist etwa fünfeinhalb Jahre her. Hinzu kommt noch die ganz andere Frisur und der Gewichtsverlust von 20kg seit Schulende vor zwei Jahren (was mich btw "unsichtbar" für die meisten anderen Ex-Schulkameraden, denen ich über den Weg laufe, macht - und ich LIEBE es :-D)
In dem Moment war die Flucht für mich die logische Konsequenz. Ja, ich hab ein wenig von der TK-Abteilung/ aus vermeintlich "sicherer" Entfernung zu ihr rübergeschielt, aus Neugierde. Auch, um die Bilder im Kopf mit ein wenig Normalität zu überspielen. Ich musste immer aus den Satz aus einer Zeitschrift denken:
Es gibt nichts Schlimmeres zwischen zwei Menschen als unausgesprochene Gefühle.
Und Gott, hab ich das realisiert.
Draußen stehe ich seitlich von dem Fischerei-Wagen, sehe ihr dabei hinterher, wie sie sich auf ihr Rad wirft, durch den Parkplatz manövriert und jene kurze Strecke nach Hause fährt, die ich noch genau im Kopf habe. Ich stehe noch ein paar Minuten einfach da.
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