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I hate being bi-polar. _______________________________________________ It's awesome.

Dienstag, 22. Mai 2012

Typ am See

Ich gehöre eigentlich nich so zur Zielgruppe von Badeseen, jedenfalls hat sich das im Verlauf der letzten Jahre so ergeben (, wenn ich nich grad mit der Frau Freundin da war, aber auch da gab's dann spaßigere Möglichkeiten, sich die wärmeren Tage zu vertreiben).

Jedenfalls geh ich nicht mit einer Horde Homies hin zum Feiern und rumtoben. Ich bin keine alte Frau, die wahlweise alleine oder im Zweigespann entweder auf Kniehöhe im See doch noch ihre Einstellung überdenkt "Komm Sieglinde, ist doch ein bisschen frisch, lass uns mal zurückgehen" oder eben das Ding durchzieht und auf diesem Floß in aller Pracht (jep, manchmal bedeutet das oben ohne) sonnenbadet.

Und erst recht bin ich keiner (mehr), der in Seen oder sonstigen offenen Gewässern umherschwimmt.
Wenn's wenigstens 100% klar und nich so tief wäre ... aber so?
Da halt ich's mit Rudolf Augstein - "Nö, also nö, nich so'n Theater, nö".
Joa, manchmal find ich's selbst schade, aber ich kann damit leben. Es gibt auch andere Möglichkeiten, rumzuschwimmen.

Und joa, wenn dann erstmal der Schock am Weg zum See über den Bahnübergang, an dem "Außer Betrieb"-Schilder angebracht sind, überwunden ist - und das ist er, sobald man zur linken und zur rechten jeweils einen Schienenbagger sieht, "Gleisarbeiten, da war doch was", kann man auch schon wieder grinsen. Weil man ja eben gerade an dem ziemlich neu aussehenden Baustellen-Viano mit Breitreifen und Prollfelgen vorbeigefahren ist, hahaha.

Okay, weiter im Programm, der Wald um das Objekt der Begierde liegt schon in Schnupperweite. Mal sehen, ob der Schleichweg hintenrum, um die ganze Meute zu umgehen, noch was taugt. Auf den ersten Blick: Nein, eine ordentliche Sandaufhäufung, darauf folgend ein sehr tiefes Loch, gefolgt von einem dicken Baumstamm, natürlich quer. Im Begriff umzudrehen, erkenne ich einen Schleichweg zum Schleichweg: Durch das Grün führt ein enger Pfad um das Hindernis.
Nundenn, ab dafür, immer schön mit dem Rad weiterrollen. Okay, ein -zweimal sehr knapp abgerutscht, bis dann nichts mehr geht. Komplett zugewachsen. Enttäuscht, aber trotzdem zufrieden, weil ich's immerhin versucht hab, geht's weiter in die andere Richtung.

Und siehe da, kein einziger Mensch ist da. Das ist schon mal sehr gut. Also wird ein Platz ausgesucht, der Kapuzenpulli für den Fall, dass es regnen sollte, darf als Sitzunterlage herhalten. Das 70er-Jahre Staiger-Rennrad wird direkt im Sichtfeld daneben geparkt, weil ich es aufgrund seiner unverschämten Retro-Anmütigkeit, die ja wohl in der Natur der Sache liegt, für verschärft halte.
Nach zehn Minuten geht mir auf, dass mein Hintern hier die totale Ameisen-Party crashte. Ist natürlich wiederum spitzenmäßiges Unterhaltungsmaterial, was die Ameisen durch die Gegend tragen: Futterkram, Baukram, andere Ameisen.

Allgemein bietet der Laden einige interessante Tiere. Die vielen unterschiedlichen Vögel, die auch teilweise sehr toll klingen; die Libellen, die für mich aufgrund ihrer länglichen Bauweise und der blauen Farbgebung wie fliegende kleine Fische aussehen; und die Fische, möglicherweise Forellen, von denen ich einige erstmal verscheuchte, als ich mal austestete, wie warm das Wasser ist ... weniger warm, aber man kann's aushalten. Als ich einmal an Land näher hingehe, um ein Exemplar unauffällig aus der Nähe zu beobachten, springen unvermittelt zwei kleinere Tiere - Frösche? - in's Wasser. Ein Fisch allerdings, weiter draußen, hinter der Insel, ist anscheinend ein kleiner Akrobat. Ständig springt da etwas hoch, man hört das aufklatschende Geräusch und dann ist erstmal wieder Ruhe. Einmal sehe ich zufällig in dem Sekundenbruchteil hinüber, als es kurz vor dem Aufklatschen herausragt, ich kann aber nichts erkennen.

Die Szenerie ist auch sehr angenehm, viele prächtige Grüntone von Seiten der Bäume, schöner blauer Himmel mit ein paar Wolken, dazu die Reflexion des Waldes auf der gegenüberliegenden Seite des Sees im Wasser
Mir fällt ein, ich hätte ja Fotos machen können, aber wir sind hier zum einen im Internet, Anonymität und so haha, außerdem kann der geneigte Leser ja gern mal die eigene Kreativität bemühen, darauf basieren die besten Bücher.

Außerdem hätte ich die Kamera dazu mitnehmen müssen, und wie ich sehr zu meiner Überraschung bemerken musste, hatte ich nichtmal Schreibzeug dabei. Ich hab eigentlich, egal, wo ich hingeh, so gut wie immer Schreibzeug dabei, daher ist das schon sehr ungewöhnlich und ich konnte die Rohfassung des Artikels nicht vor Ort schreiben, unglaubliches Desaster.

Laut Uhr war ich dann grad mal eine Stunde da. Neben "Naturbeobachtung" hab ich mir die Zeit hauptsächlich damit vertrieben, ein bisschen zu lesen. Ich fahr manchmal gern im Sommer zu Zeiten, an denen erwartungsgemäß so ziemlich niemand da ist, da hin und lese. Wenn da immer so gerappelt voll ist, is das nich so meins.

Aber ich schätze, ich gehöre doch zur Zielgruppe. Ich mein, welcher Badesee braucht nicht einen coolen Typen, der zum Lesen kommt, und sich von Zeit zu Zeit ans Ufer stellt und es sehr angenehm findet, wie der leichte Wind das V-Neck-Shirt und die Haare verweht. (Und der das auch noch ein paarmal tun wird, bevor's da so richtig losgeht.)

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