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Samstag, 1. Mai 2010

Eine Stelle aus Steinhöfels "Die Mitte der Welt"

>>Er war wunderbar, Phil. Er war der wunderbarste Mann, den man sich vorstellen kann. Der beste.<<
>>Die Worte treffen mich wie gemeine Schläge. Vor meinen Augen blitzen goldene und blutrote Sterne. >>Wenn er so wunderbar war, warum hat er dich dann sitzen gelassen?<<
>>Das hat er nicht<<, kommt es aus dem Dunkel. >>Dazu hat er mich zu sehr geliebt.<<
[...]
>>Er war so sanft<<, höre ich sie sagen. >>Wenn er eine Blume berührte, begann sie kurz darauf zu blühen, das schwöre ich dir, Phil. Ich habe es gesehen. Einmal besuchten wir einen Zirkus. Wir gingen an den Käfigen mit den Raubkatzen vorbei, und die Tiere, die eben noch gebrüllt hatten und auf und ab gelaufen waren, legten sich ganz ruhig hin, kaum dass wir in ihre Nähe kamen. Dein Vater griff durch die Gitterstäbe und streichelte den Kopf eines Löwen. Er hatte keine Angst.<<
>>Meine Brust ist zu eng für mein jagendes Herz.<<
>>Dianne war genau wie er<<, sagte die Dunkelheit. >>Genauso sensibel. Als sie klein war, konnte sie hören, wie die Welt atmet, genau wie euer Vater. Deshalb hielt ich sie für genauso verletzlich. Deshalb wollte ich sie schützen.<<
>>Meine Hände schließen sich noch fester um das Buch, so fest, dass meine Fingernägel sich tief in den Einband graben.
>>Wie ging es weiter?<<, flüstere ich.
>>Ich wurde schwanger. Von diesem Moment an hat euer Vater mich nicht nur geliebt, er hat mich vergöttert. Er freute sich wie ein kleines Kind und plante unsere Zukunft. Er wollte mich heiraten. Er wollte uns ein Haus bauen. Und all das hätte er getan.<<


Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt (S. 442f)

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